Jan 11, 2015

Nein, das war nicht „Frankreichs 9/11“

Die Attentate von Paris haben ihre Schockwirkung nicht verfehlt. #JeSuisCharlie sagen die Menschen weltweit, um ihren Protest auszudrücken und den Opfern der Anschläge vom 7. und 8. Januar zu gedenken. Wie in so einem Fall üblich, liefern sich die Medien dann ein Wettrennen um Superlativen. Es dauert nicht lange, schon ist von „Frankreichs 9/11“ die Rede. Aber der Vergleich hinkt nicht nur, er ist auch dumm.

Von den Dimensionen sind die Attentate von Paris und die vom 9. September 2011 überhaupt nicht zu vergleichen. Drei Flugzeuge werden zeitgleich entführt und in amerikanische Wahrzeichen gesteuert. Nur eines davon verfehlt sein Ziel. Tausende Menschen sterben. Die  Metropole New York jahrelang durch eine häßliche Narbe gekennzeichnet. Und die Folge? Ein Jahre andauernder „Krieg gegen den Terror“ der, blickt man heute zurück, die Welt bislang nicht sicherer gemacht hat. Das haben uns auch die Anschläge von Paris erneut vor Augen geführt.

No 9/11 in Paris

Natürlich, auch der Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ und den jüdischen Supermarkt haben ihre häßliche Symbolwirkung nicht verfehlt. Und ja, jedes Opfer ist eines zuviel. Vergessen wir auch nicht die Polizistin, die zwischen beiden Anschlägen ermordert wurde. Egal ob fünf, zwanzig oder dreitausend. Aber dennoch ist der Vergleich dumm.Wir neigen ohnehin dazu, ein einseitiges, westliches Bild zu sehen. Was ist mit den abertausenden Toten durch jahrelangen islamistischen Terror in Ländern wie Jemen, Irak, Nigeria, etc. Erleben die nicht täglich ihr „9/11“?

Warum überhaupt diese Vergleiche? Warum erheben wir die jüngsten Anschläge auf eine Stufe mit 9/11? Warum „adeln“ wir die Attentäter indirekt, indem wir ihnen bescheinigen, Gleiches geschafft zu haben? Und was sagen wir, wenn es vielleicht wirklich mal wieder solche Dimensionen erreicht? Hoffen wir, dass dies nie geschieht.

Doch was jetzt in den Blättern steht, wird die nächste Terroristengeneration garantiert freuen. „Seht her, die zittern so sehr vor uns, sie vergleichen es schon mit dem 11. September 2001.“

Kann es noch mehr Ansporn geben?

 

 

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