Jan 16, 2015

Pegida, die Sittenwächter der Satire

Was darf Satire? Die Frage wurde in den vergangenen Tagen oft gestellt. „Alles!“ so die überwiegende Antwort. Der Meinung waren auch die Pegida Anhänger. Schließlich ginge es um Meinungsfreiheit und die Moslems müssten es eben ertragen, wenn ihr Prophet durch den Kakao gezogen würde. Nun hat aber das Satiremagazin TITANIC den Pegida-Anführer Lutz Bachmann aufs Korn genommen. Und da schreien seine Anhänger plötzlich Zeter und Mordio. Auf einer inzwischen gelöschten Facebook-Seite wüteten sie gegen das Blatt, keiften was von „Rufmord“ und „dies geht eindeutig zu Weit“. So sind die Pegidaner halt. Satire ja, aber bitte nicht gegen den eigenen Propheten.

Ausgangspunkt war eine wütetende Reaktion von Lutz Bachmann auf den Titanic Artikel.

Was hier abläuft ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten! Ich habe nie irgendeinen Kommentar abgegeben und mit Satire hat dies nix mehr zu tun! Das ist ganz klar Rufmord und ich werde es definitiv unseren Anwälten übergeben!

Ob es sich hierbei um den echten Bachmann gehandelt hat? Die Facebook-Seite unter der URL „www.facebook.com/lutzzweitnick.bachmann“ (Lutz Zweiter Nickname (= zweiter Account) Bachmann) ist mittlerweile gelöscht. Zudem gibt ein anderes Profil von Bachmann, auch mit vielen privaten Fotos. Doch schaut man sich die Historie der Facebook-Seiten im Google-Cache an, ist die Echtheit durchaus möglich.

Eine Satire zur Satire würde wohl auch keinen Grund zur Löschung sehen. Wohl aber einer, den plötzlich das Gefühl beschleicht, etwas ganz dämliches getan zu haben. Aber ob nun echt oder nicht, das ist im Grunde unerheblich.

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Wichtiger waren eher die Reaktionen seiner Anhänger. Dabei gingen sie in typischer Pegidamanier mit ihrem gelernten Wortschatz vor: Rufmord, Systempresse, Gutmenschen, …schlägt dem Fass den Boden aus…, etc. bla bla. Einzig ein „Abo gekündigt“ war nicht zu lesen. Wen wundert’s? Satire ist nicht des Pegidaners Ding.

Gut gemeinte Ratschläge, wie etwa den Ironiesensor etwas lauter zu stellen, verhallten an den merkbefreiten Pegidanern ebenso ungehört, wie Definitionserläuterungen anderer Teilnehmer zum Thema „Satire“. Pegida ist halt wie die SED. Die hat zu DDR-Zeiten auch bestimmt, was lustig sein darf und was nicht.

Bevor die Seite gelöscht wurde, habe ich ein paar Screenshots machen können, um wenigstens einen Teil des Verlaufs der Nachwelt zu erhalten. Das war beste Echtzeit-Satire am „lebenden Objekt“. Schade, dass es nun weg ist.

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1 Kommentar

  • Ich kann den Spaß, den du daran hattest verstehen. Das ist schon Comedy vom Feinsten.

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