Pferd statt Rind: Wollt ihr eigentlich beschissen werden?

„Was regt ihr euch denn so auf, Pferdefleisch ist doch gesund?“ Verfolgt man dieser Tage die Kommentare im Web zum Pferdefleisch-Skandal, so bemerkt man vor allem eines: Die Leute stören sich offenbar gar nicht so sehr daran, statt Lasagne aus Rindfleisch geschreddertes Sportpferd im Tiefkühlfach angedreht bekommen zu haben. Nein, die Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr gegen diejenigen, die diese Vorfälle als skandalös bezeichnen. Doch der lässige Umgang mit dieser Art der Verbrauchertäuschung auf hohem kriminellen Niveau ist ziemlich kurzsichtig.

In den Blogs, Kommentarspalten der Onlinemagazine, auf Twitter, Facebook oder Google Plus liest man immer wieder die gleichen Argumente: „Was ist denn so schlimm daran? Pferdefleisch ist gesünder, magerer, besser. Pferde werden nicht in der Massentierhaltung gequält. Freut euch doch, dass ihr Pferdefleisch bekommen habt statt Rind.“

Selbst der Hinweis, dass die verarbeiteten Tiere zu Lebzeiten offenbar Sportpferde waren und Medikamente bekommen haben, die für die anschließende „Verarbeitung“ als Lebensmittel nicht geeignet sind, schreckt die Meisten nicht ab. „All die Antibiotika aus der Massenproduktion sind auch nicht besser“.

Also alles nur halb so wild? Mitnichten!

Es ist vollkommen unerheblich, ob das verarbeitete Fleisch nun gesünder, ungesünder oder qualitativ gleichwertig ist. Wenn auf der Packung Rind steht, so sollte auch nur Rind enthalten sein. So einfach ist das.

Ein Skandal ist eher, dass es vielen Verbrauchern offenbar ganz egal ist, was Ihnen am Ende vorgesetzt wird. Hauptsache billig. Nur dieses Verhalten erklärt, warum immer noch so viele Mogelpackungen in den Supermärkten lauern, die nicht das enthalten, was die Packung verspricht.

Wer es noch nicht bemerkt hat: Auch Wurstwaren, die auf der Verpackung als Geflügelwurst gekennzeichnet sind, enthalten meist einen hohen Anteil anderen Fleisches, meist Rind oder Schwein. Hier versuchen Verbraucherschutz-Organisationen schon lange, Industrie und Politik zu einer besseren Kennzeichnung zu bewegen.

Doch wenn die Bevölkerung schon nicht so genau hinsieht, warum sollten es die Politiker tun? Hauptsache die graue Leberwurstpampe aus „Fett, Arsch, Nasen und Ohren“ kostet nicht mehr als 50 Cent und es steht „Feine Rinderleberwurst“ drauf?

Kein Wunder, dass eine Frau Aigner beim nächsten Skandal nur ein paar schnell hingewischte „10-Punkte-Pläne“ oder ein paar Ideen zu mehr „Selbstverpflichtung der Industrie“ präsentiert, in der Hoffnung, das ganze Thema sei in ein paar Wochen wieder vom Tisch.

Und auch jetzt entsteht bei mir der Eindruck, viele sehen in dem Pferdefleischskandal gar nichts skandalöses. Doch das ist eine Gleichgültigkeit, die dem Bemühen der Verbraucherschützer für uns alle bessere gekennzeichnete Lebensmittel zu etablieren, in den Rücken fällt.

So bin ich geneigt zu fragen: Wollt ihr eigentlich beschissen werden oder seid ihr einfach nur zu geizig?

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