Erst Google, jetzt AdBlocker: Das Weinen der Verlage

Die Verlage haben es schon schwer. Jahrelang pusten Sie ihre Inhalte für lau ins Web und nun merken sie plötzlich, dass sich damit kein Geld verdienen lässt. Doch statt endlich selbstbewusst ihre Leser davon zu überzeugen, dass gute Inhalte gutes Geld wert sind, nörgeln sie lieber an allen anderen herum. Erst das böse Google, dass mit Suchergebnissen Werbeeinnahmen generiert, und nun die bösen Leser, die Werbeblocker nutzen um zwischen all den bunten Bannern auch mal die journalistischen Inhalte zu finden.

Es ist schon komisch, was sich für eine Diskussion entwickelt hat, seitdem vor ein paar Tagen einige Verlage zur großen Anti-Adblocker-Kampagne im Web geblasen haben. Man möge sich doch bitte die Werbung anschauen, denn nur so könne das Angebot weiterhin kostendeckend finanziert werden, las man auf Spiegel-Online, Süddeutsche.de und weiteren Angeboten im Web.

Prompt kann man zwei Lager ausmachen: Die einen, die nun reumütig Werbung ertragen um sich nicht als „Schmarotzer“ zu fühlen und die anderen, die sich das Geweine nicht länger anhören wollen:

 

Same procedure as every year

Online-Werbung ist nichts neues. Und schon in den 90-ern, als alle noch glaubten, man könne jedes Angebot im Web für die Kunden kostenfrei anbieten und sich per Werbung finanzieren, merkten viele schnell, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Der große Knall der „New Economy“ hat dies zur Jahrtausendwende dann auch bestätigt.

Und was hat sich bei den Verlagen seitdem verändert? Nicht viel!

Die Angebote sind weiterhin kostenfrei und die Werbung ist über die Jahre immer bunter, größer und aufdringlicher geworden. In jeder freien Fläche blinkt es, manchmal dröhnen unerwartet aus irgend einem neuen Browserfenster auch noch Werbesprüche aus den Lautsprechern. Im Büro unter Kollegen ist das immer wieder besonders unangenehm.

Ist es da wirklich so verwunderlich, dass die User irgendwann zum Gegenangriff blasen und sich einen Werbeblocker installieren? Die Seiten sind urplötzlich wieder schneller geladen, es werden keine unerwünschten Skripte aus unerwünschten Quellen auf den Rechner gezogen und auch die Lesbarkeit ist wieder gegeben.

Screenshot: Lustiges Artikelsuchen bei rp-online.de

Bunte Werbung überall: Lustiges Artikelsuchen mit Augenkrebsgarantie bei rp-online.de

Das ist nicht die Fujitsu-Homepage, sondern das Handelsblatt.

Das ist nicht die Fujitsu-Homepage, sondern das Handelsblatt.

Immer die Anderen

Jetzt merken die Verlage plötzlich, dass viele ihrer Leser diese ganze bunte Werbewelt nicht mehr wünschen. Doch statt  das Geschäftsmodell nach über 15 Jahren endlich einmal anzupassen, sollen sich mal wieder die Anderen – in diesem Fall die Leser –  ändern: „Bitte schaut euch unsere Werbung an!“

Gerade die mobile Revolution mit Smartphones und Tables und den dazugehörigen Apps wäre doch die große Chance gewesen, den Lesern ein tolles Angebot im Abo anzubieten. Aber nur wenige Verlage haben diesen Schritt gewagt, viele machen auch auf iPhone oder Android weiter mit der Kostenlos-Kultur. Klar, ich verstehe euer Dilemma: So lange man die gleichen Nachrichten einen Klick weiter lesen kann, wird kaum einer gerade für euer Angebot bezahlen wollen.

Dennoch: Ich habe keine Lust mir nervige Banner links und rechts und oben und unten von euren Seiten anzuschauen. Ich will auch keine Banner, die sich über den Text legen oder Banner die sogar vor den Mauspfeilen reissaus nehmen, damit ich sie ja nicht wegklicken kann.

In Sachen Adblocker-Kampagne habt ihr euch zusammen getan. Tut euch auch in Sachen Paywall zusammen. Entwickelt ein faires Freemium-Modell. Ein paar kostenlose Häppchen, wer mehr will, zahlt. Das funktioniert bei anderen Angeboten doch auch.

Dezent hätte niemanden gestört

Ihr habt immer gejammert, dass Google dank euren Suchergebnisse wunderbar Werbeeinnahmen generiert. Wie jetzt? Bei Google geht das, bei euch nicht?  Habt ich euch mal angeschaut, wie Google Werbung schaltet? Ich sage nur ein Wort: DEZENT. Farblich leicht abgehoben, über, unter oder auch mal neben den Suchergebnissen. Auffällig zwar, aber auf jeden Fall nicht aufdringlich.

Sorry, aber die Kunden in die Schmarotzerrolle drängen zu wollen, nur weil sie eure kostenfreien Angebote mit Werbeblocker besuchen geht gar nicht. Bei manchen Verlagsangeboten nimmt die Werbung locker 20 Prozent des Datenvolumens der gezeigten Webseite ein. Wer sich das täglich bei mehreren Angebot antut, der sammelt im Laufe des Monats ein beträchtliches Datenvolumen an, das nur für Werbung draufgegangen ist.

 

Gerade wer viel mobil surft, merkt das schon nach kurzer Zeit, wenn der Provider plötzlich die Geschwindigkeit drosselt, da das monatliche Kontingent (meist sind es nicht mehr als 300 – 500 MB) erschöpft ist. Nun kommt bald auch noch die Drosselung der Leitung bei Telekom-Anschlüssen hinzu, da wird dann jedes einzelne Datenbit wieder kostbar. Die Nutzer werden dann wohl kaum gewillt sein, verschwenderisch mit ihren Daten umzugehen. Oder, liebe Verlage, zahlt ihr dann etwa der Telekom einen Obulus, damit die Werbung aus dem verbrauchten Datenvolumen eurer Leser herausgerechnet wird?

Wohl kaum!

 

 

Ein Kommentar

  1. Finde Deinen Vorschlag des Freemium-Modells wirklich bedenkenswert.
    Angebote wie die von http://www.test.de zeigen, wie gut das geht:
    Kostenfreie Aufmacher und Inhaltsangaben sowie faire Preise für Einzelabruf oder Mini-Abo mit 30 Tagen Laufzeit. Einfach ein rundes Angebot.

    Nicht so gute Erfahrungen mit seinem ersten Freemium-Modell machte der von mir geschätzte Cloud-Anbieter http://www.sensr.net . Der konnte sein Tarifmodell mit kostenfreien Basisaccounts nicht beibehalten. Es gab einfach zu viele Freerider, die nicht auf die Premium-Tarife umstellen wollten. Dazu hatten sie im Gegensatz zu einem journalistischen Angebot noch das Problem, dass sie jeder User wegen des verbrauchten Speichers viel Geld kostete. Aber ich denke, dass sie nun mit einer kostenfreien Testphase von 7 Tagen einen guten Kompromiss zwischen Offenheit für Neueinsteiger und Refinanzierung ihrer angemieteten Cloud Computing Kapazitäten gefunden haben.

    So ein faires Modell müsste auch einem Verlag ein gutes Auskommen im Web ermöglichen – natürlich nur sofern der angebotene Content attraktiv genug ist.

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